zuletzt erschienen:

"Wir werden ständig angewirt, weil man uns einfangen will, als Käufer, Wähler, Jasager"

in DIE ZEIT,

Nr. 26 vom 22. Juni 2017

Fuji-san im Morgengrau
Fuji-san im Morgengrau
Fuji-san erwacht
Fuji-san erwacht

Einer jener Briefe, die ich ihn schreiben sah

 

Die Gedichte sind alle nichts geworden, schrieb er

und zog das Fotoalbum aus dem Koffer.

Vielleicht das eine oder andere, aber was

ist aus dir geworden nach dem Lesen?

Ging ein Licht an, standen die Dinge nun

im Licht, wo sie weitermachten?

Wozu dann ein Licht auf sie, dachte er

und schrieb es nicht.

 

Die Fotos in meiner Hand haben Recht, auch

wenn du auf ihnen bist, obwohl du es nicht wolltest.

Im Gegensatz zu Gedichten sind sie praktisch,

druck 'ne Million und kleb' das Land voll.

Herum streunen die Augen der Fotografen, wer

fällt, gibt eine gute Figur ab, wir leben

inmitten der Ästhetik des Sturzes (entschuldige

bitte), schrieb er

 

und wusste, er wollte sie nicht sehen, diese

Schritte einfach nicht hören, aber da war sie schon

aus dem Zimmer, wie gar nicht dagewesen.

Überleg' dir gut, ob du es ertragen wirst, die Frau,

die du willst, am Abend sagen zu hören:

Was besonderes heute? Manchmal denke ich,

die Rasierklinge unter dem Spiegel ist zwischen

ihr und mir. Verstehst du das?

 

Ich hasse Fotos! Ihnen zu glauben

war nie so schwer, wie aus diesem Hotelzimmer

zu schauen, auf ein anderes Hotelzimmer,

an Gedichten zu zweifeln

und neben jemandem zu leben ...

maßlos.

Noch ein Licht?

 

 

 

(c) Bodo Morshäuser

zuerst erschienen in "Alle Tage", 1979