Ustronie morskie

Tageslicht 14

Warm angezogenes Gedicht

Denk ich an meine Generation,

die bei Wind und Wetter mit halber Jacke geht -

Der Mantel, angelweit offen, flog mir hell vom Leib.

Ich kannte nicht Mütze, nicht Schal oder Handschuh.

Meine Gedichte, sie zitterten.

Eine Kaltfront zieht heran. Schamlos setzen wir Pelzmützen auf,

ich meine: du und ich.

Komm jetzt, schwing zur Tür herein. So leicht soll das sein.

Wie zwei Millimeter Naserümpfen,

und noch leichter als Schneeflockenfall.

Aber bitte fingerhebend wie das Wort Ja.

Die Vorratskammer ist voll. Wir bleiben zuhaus bis Montagfrüh.

Es geht jetzt um Wollpullover und Vorschneestille.

Unsere Kinder führen den Krieg der Scheinheiligen gegen die Heiligen.

Es ist unser Krieg. Wir wollen nichts davon hören.

Es geht jetzt um Hüttenschuhe und Pulswärmer.

Um Lavendeltöl und Melissentee.

Eine Kriegsfront ist nicht zu erkennen.

Wer ist bloß der verdammte Feind?

Wir sind so vernünftig, dass die Vernünftigen uns nicht verstehen.

Wie du zu meiner rechten Hand liegst

dich aufbäumst und in diese Mulde passt -

Es geht jetzt um Pockenimpfstoff für alle.

Gefahr für die Bevölkerung bestehe nicht.

Eine Physalis hoppelt dein Zwerchfell hinunter,

die reife Lychee lässt sich pellen wie ein Ei,

und eine Feder fliegt hoch aus dem Bett.

Ein Tag wie im gemachten Traum.

Komm her. Oben die Feder schwebt um ihr drittes Leben.

Es läuft auf einen Fernsehkrieg hinaus

mit Bergamotte-Duft und bunter Desinformation.

Wir bleiben die Exportnation, auch unbemannt.

Es liegt in den Familien.

Es liegt in uns.

Komm her.

1. Januar 2019