Tageslicht 13

Lallismus (2): Das Berliner Jazzfest auf dem Weg zum finalen Eröffnungswerk

Von musikalischen Paralleluniversen, kreativen Grenzgängen und kollektiven Visionen – mit dem Programm für 2018 gestaltet das Jazzfest Berlin Kontraste, sucht Herausforderungen und eröffnet Begegnungsräume. Es kreiert Zeitkapseln, reist in die Zukunft und blickt in die Vergangenheit, fordert Utopien, fördert freie Geister, will bewegen, denken, grooven, tanzen ... Am 1. November steht mit dem „Haus of Jazz“ die große Eröffnung mit zehn Acts und zahlreichen Deutschlandpremieren auf allen Ebenen des Festspielhauses an. Nicole Mitchell und das Black Earth Ensemble eröffnen den Abend auf der Großen Bühne, doch zuvor schon lädt die interaktive Performance „FutureLeaks: Umschlagplatz der Visionen“ zu einer utopischen Erfahrung und das Berliner KIM Collective spielt seine Carte Blanche und kreiert auf der Unterbühne des Hauses den „Un(ter)ort“ – ein musikalisches Echo auf das oberirdische Geschehen. Zwischenspiele auf vier Bühnen eröffnen musikalische Paralleluniversen und das Haus als freie Bewegungsfläche, um abschließend zum finalen Eröffnungswerk von Rob Mazureks „Exploding Star International: Chicago-Berlin‘‘ auf der Großen Bühne zusammenzufinden.

6. September 2018

 

 

Beißreflexe der Schnellkommentierer

Da ist eine Website mit 19 kurzen Videoclips. Junge wie Alte, Männer wie Frauen sind unzufrieden mit ihrer persönlichen Situation und/oder der gesellschaftlichen Lage. Wer will, kann sich auf der Website eintragen. Angeblich haben sich dort in den ersten Wochen über 50.000 Menschen registriert. Seit vielen Monaten ist bekannt, dass es Sahra Wagenknechts und Oskar Lafontaines Idee ist. Es gibt kein Programm und keinen Hinweis auf das weitere Verfahren, außer, dass es am 4. September irgendwie losgeht. Also eine Art Marketing des leeren Zentrums. Und es funktioniert.

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22. August 2018

 

Metropole Orkest & Henrik Schwarz, Enschede 2017

Brushy One String, No Man Stop Me (Good Morning Mister Sun)

Unsere Mitläufer

Die meisten sagen Fitnessstudio, einer sagt Turnhalle, andere nennen es Muckibude. Die Etage befindet sich auf einem ehemaligen Fabrikgelände, neben Großhändlern, Zwischenlieferanten, Theaterschulen und Tonstudios. An drei Vormittagen in der Woche hatte dort Kröte das Sagen. Irgendjemand nannte diesen Lautsprecher der Gefoppten und Betrogenen einmal Kröte, seitdem hat er seinen Namen weg. Kröte war nichts ohne die paar Figuren um ihn herum, die ihm zuhörten. Er schien den Tag lang Nachrichtensender zu sehen und sich alle Zahlen zu merken, jedenfalls stimmten sie meistens, und er gab auch durchaus korrekt wieder, was in der Bild-Zeitung, auf n-tv oder sonstwo Thema war. Kröte war nicht nur das Echo unserer Presse, eine Pressekritik, die selbstverständlich kein Echo unserer Presse mehr war, lieferte er gleich mit. Im besten Fall also ein wacher Zeitgenosse, im schlimmsten Fall, wie diesem, ein Schwätzer, Aufwiegler und Hassprediger. Drei Vormittage waren für mich tabu, weil Kröte dann von Gerät zu Gerät ging und seinen Zuhörern erzählte, wie schlimm alles sei. Nun musste ich doch einmal an einem der gemiedenen Vormittage zum Sport gehen und plante bereits, wie ich Krötes Schallwellen ausweichen könnte. Aber dann sah ich ihn nicht, das heißt, zuerst hörte ich ihn nicht, was mich sehr wunderte, und dann schaute ich mich um. Er war nicht da. Einer seiner üblichen Zuhörer hing in der Beinpresse wie ein Sack Kieselsteine. Auf Kröte und seinen anderen Zuhörer angesprochen, sagte er, der eine mache Urlaub, der andere nehme sich mal eine Auszeit. Ich wusste nicht, wer wer war. Jedenfalls ging ich wieder auch an den gemiedenen Tagen zum Sport. Neulich war Krötes zweiter ständiger Zuhörer dann aus dem Urlaub zurück, ein Sachse oder Thüringer, der Kröte stets treu ergeben lauschte und griente. Nun sah er verloren aus mit seiner Trinkflasche, die er eng vor der Brust hielt. Niemand redete mit ihm. Nun wurde auch nicht mehr über Kröte gesprochen, etwa in der Art: Wo ist denn der Quatschkopf? Krötes Mitläufer distanzierten sich ja in seiner Abwesenheit auch gern von ihm, obwohl sie seinen Hass auf dies und jenes, das anders war als sie selbst, stets genossen und sich dabei an den Blicken der überraschten unfreiwilligen Zuhörer ergötzten. Sie gingen aber sofort auf Distanz, wenn Kröte, ihr Redner, außer Blickweite war. Später hätten sie von nichts etwas gewusst, nur ihr kleines Leben gelebt, und die Zeiten, sie wären eben so gewesen.

6. Mai 2018

 

 

Gesundheit ohne Lobby

Seit die Bundesrepublik Deutschland besteht, hat sie sich mit ihrem wirtschaftlichen Erfolg internationales Ansehen erarbeitet. Hier hat Vorrang, was sich rechnet. Das ist die Prägung dieses Landes, das ist sein Leitmotiv. Auch im dritten Jahr des Abgasbetrugs mehrerer Automobilkonzerne wird dieses Thema folglich als wirtschaftliches Problem verhandelt und kaum einmal wird gesundheitspolitisch argumentiert. Im Mittelpunkt stehen negative Folgen für Autoproduzenten ebenso wie für ihre Konsumenten, und natürlich wird für den Fall eventueller Eingriffe schon mal auf bedrohte Arbeitsplätze verwiesen. Der Abgasbetrug ist offenbar nur eine Rechenaufgabe. Ich meine, falsche Angaben zu Schadstoffwerten sind ein Angriff auf die Gesundheit der Bevölkerung. Zur Zeit wird übrigens darüber diskutiert, ob die Messstationen nicht vielleicht zu nah an Straßenrändern stehen.

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2. Mai 2018

 

 

Lallismus (1): Das Berliner Theatertreffen stellt seine Veranstaltungsreihe "TT Kontext" vor

"Wer können „wir“ sein und warum sind wir es noch nicht? Was bestimmt unsere Sicht auf die Welt? Und wie dekolonisieren wir unser Denken? TT Kontext, das neu konzipierte Diskursprogramm des Theatertreffens, lädt dazu ein, sich selbst zu verlieren – am besten gemeinsam! 2018 steht es unter dem verbindenden Begriff „Unlearning“. Gemeint ist damit eher ein „Umlernen“ als ein „Verlernen“, ein Infragestellen von Altbekanntem, eine Umverteilung von Wissen und ein Beiseitelassen von Realität(en). In vier Schwerpunkten werden Themen der gezeigten Inszenierungen aufgegriffen und in Gesprächsrunden, Panels und Workshops neu betrachtet: „UNLEARNING Patriarchat“ hinterfragt etablierte Vorstellungen von Männlichkeit und starre Rollenbilder, „UNLEARNING 1. Klasse“ beschäftigt sich mit der sozialen Ungerechtigkeit, die aus der kapitalistischen Lebensweise des Westens herrührt, „UNLEARNING Theater“ untersucht Verantwortlichkeiten auf und hinter der Bühne, und „UNLEARNING History“ begibt sich auf eine Reise durch die Geschichte(n), die uns ausmachen."

25. April 2018

 

 

The Danish National Symphony Orchestra spielt The Good, the Bad and the Ugly von Ennio Morricone

Barbara Hannigan und das Göteborg Sinfonie Orchester: Mysterien des Makabren von György Ligeti

We are KOKOKO!

Herzliche Grüße

Sie hebt die Arme von sich weg,

so dass ihr Herz, vom Wind bedeckt,

in meinem Sommer steht.

 

Ihr Kerl zieht Bleistift und Block

und rechnet schonmal durch,

hebt seinen Blick, der pocht.

 

Gravitation, das war einmal,

Fleisch im Fleische, will es bleiben.

Schaut mich an, so lange schon.

 

9. Januar 2018